Deutscher Hubschrauber Club e.V.

Neue Gipfelstürmer – Deutsches Nachwuchsteam bei der ODHM 2025 erfolgreich hinter den Siegern aus der Schweiz 

Unter fast perfekten Wetterbedingungen fand in Schwäbisch Hall-Weckrieden die Offene Deutsche Hubschraubermeisterschaft (ODHM 2025) statt. Dabei wurde die Schweizer Crew Ruedi Boser/Stefan Meier deutlicher Gesamtsieger vor dem jungen deutschen Team Noah Pfeifer/Dominik Winter. Mit ihrer Platzierung dürfen die beiden „Gipfelstürmer“ sich nun auch Deutsche Hubschraubermeister 2025 nennen. Dritte im Gesamtklassement wurden die Brüder Patrick und Daniel Eichenberger aus der Schweiz.

Zur ODHM 2025 hatten sich insgesamt acht Teams angemeldet, drei aus Deutschland, vier aus der Schweiz und eine Mixed-Crew (Pilot aus Tschechien, Copilotin aus Polen). Ausrichter der Meisterschaft vom 4. bis 7. September war der Deutsche Hubschrauberclub e. V. (DHC). Geflogen wurde auf der Basis des Regelwerks der FAI (Fédération Aéronautique International). Die erfahrenen Schiedsrichter unter Chief Judge Lothar Oehler kamen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Polen, Schweden und der Schweiz. Sowohl die Mannschaft des Adolf Würth Airports als auch die sehr engagierten Mitglieder des Motorfliegerclub Schwäbisch Hall e.V. schufen – unter ihrem Vorsitzenden Tobi Vogel – für -Teilnehmer und Gäste der ODHM eine sehr lockere und familiäre Atmosphäre. Der Verein stellte das Flugplatzgelände Weckrieden (EDTX) inklusive Briefing-Hangar und Vereinslokal komplett für die ODHM zur Verfügung. Der Platz liegt, übrigens einmalig in Deutschland, parallel zum Adolf Würth Airport und ist von diesem nur durch eine Straße getrennt.

Precision Hover

Nach der krankheitsbedingten Absage zweier Teams startete das Sechser-Feld am Vormittag des Freitags (5. 9.) zum Precision Hover. Hierbei muss der Helikopter einen 50 m langen Korridor in gleichbleibender Höhe abschweben, vorwärts, rückwärts und seitwärts nach rechts und links mit 360-Grad-Drehungen am Ende der Bahn. Zwei Ketten (mit einem Höhenabstand von einem Meter) befinden sich unter dem Helikopter. Die lange darf den Boden nicht verlassen, die andere darf ihn nicht berühren.

Der letzte Teil der Aufgabe besteht darin, den Helikopter auf einer nur 5 cm breiten Linie abzusetzen. Dabei muss eine Kufenmarkierung möglichst deckungsgleich zu der Bodenmarkierung sein. Auch hier gilt: der Flug erfolgt auf Zeit und fürs Absetzen gibt’s nur einen einzigen Versuch.

Für Ruedi Boser und seinen Co Stefan Meier galt es ihren Vorjahres-Titel zu verteidigen. Sie erfüllten alle Erwartungen mit zwei fast fehlerfreien Durchgängen, und setzten sich auf ihrer R44 mit 292,6 Punkten (von 300 möglichen) vor ihren Landsleuten Eichenberger/Eichenberger (R44/270,4 Punkte) erneut an die Spitze. Auf Platz drei (230,3 Punkte) landete mit Pfeifer/Winter (Cabri G-2) das jüngste Teilnehmer-Team der ODHM 2025. Rang vier erflogen sich Marek Vastek/Serafina Ogonczyk-Makowska (R44) mit 217,3 Punkten vor Florian Hofherr/Manuel Heumos (Cabri G-2, 177,5 Punkte), knapp gefolgt von den selbsternannten „Rookies“ Stefan Schiele und Andreas Eger. Bei ihrem Debüt erreichten sie 176,5 Punkte. Da haben andere Neulinge in der Vergangenheit schon erheblich schlechter begonnen! Für die beiden war das Event der Auftakt einer durchaus positiven ODHM, obgleich das sympathische R44-Team im Gesamtklassement den letzten Platz belegte.

Navigation

Drohende Gewitterwolken begleiteten am Nachmittag Crews und Schiedsrichter bei der Navigation, die sich ebenso wie alle vier Meisterschafts-Aufgaben an der Rettungsfliegerei orientiert. Nach einem 30-Minuten Kurs in Richtung nördlich des Platzes, mit Pflicht-Überflugpunkten und der Zuordnung von Sichtzeichen am Boden ging es zurück zum Platz. Dort mussten im langsamen Vorwärtsflug mit Reis gefüllte Säckchen in Zielkreise geworfen werden. Den Abschluss bildete das Einlochen eines Kegels in eine 30-cm-Dachluke. Dass das ganze auf Zeit geflogen wurde, muss hier sicher nicht besonders hervorgehoben werden.

Auch hier dominierten Boser/Meier mit nahezu perfekten 299,3 Punkten vor Pfeifer/Winter (291,5 Punkte) und Hofherr/Heumos (179,6 Punkte). Eichenberger/Eichenberger, die noch bei der ersten Aufgabe auf Platz zwei gelegen hatten, mussten sich mit Rang 4 begnügen. Serafina Ogonczyk-Makowska, amtierende Präsidentin der FAI-CIG (Helikopter), und ihr Pilot Marek Vastek konnten nicht den Idealkurs finden und mussten sich mit bescheidenen 13,7 Punkten begnügen. Null Punkte gab es für Schiele/Eger, was ihre gute Laune aber nicht beeinflusste. Sie nahmen ihr Abschneiden olympisch, nach dem Motto: „Dabeisein ist alles“. Starkregen und Gewitter hatten übrigens geduldig „gewartet“, bis auch die letzte Crew wieder in Weckrieden zu ihrer Parkposition schweben konnte.

Fender Rigging

Der Samstag bot einen blauen Himmel mit warmer Spätsommer-Sonne und gut gelaunten Akteuren.
Das Fender Rigging stand am Vormittag auf dem Programm. Hierbei werden Bojen (Fender) in Tonnen versenkt. Die zur Verfügung stehende Zeit: sportliche 90 Sekunden, wohlgemerkt für alle drei Tonnen, inklusive Einlochen des Kegels, wie beim Nav-Event. Die Länge des Seils beträgt bei der ersten Tonne vier Meter, bei der zweiten sechs Meter und bei der dritten acht Meter. Berühren der Tonne von außen gibt Strafpunkte, ebenso wie das Berühren des Bodens.

Nahezu perfekt starteten Boser/Meier mit 299 Punkten. 289,6 Punkte lautete das Ergebnis für Pfeifer/Winter und 249,1 Punkte für Eichenberger/Eichenberger. Damit setzte sich das Schweizer Meisterteam deutlich an die Spitze. Aber auch Pfeifer/Winter konnten ihren Abstand zum drittplatzierten Team deutlich vergrößern. Hofherr/Heumos erreichten 238 Punkte, 142 Punkte erflogen sich Vastek/Ogonczyk-Makowska vor Schiele/Eger (134,3 Punkte).

Hueys auf Kurs Weckrieden

Zur Mittagspause fanden sich zahlreiche Zaungäste am Flugplatz Weckrieden ein. Es hatte sich wohl herumgesprochen, dass drei „Huey-Teams“ (Bell UH-1D) ihren Besuch angekündigt hatten. Das Spektakel war perfekt, als die drei großen Maschinen mit dem unverkennbaren Sound sich nördlich des Platzes formierten und mit Genehmigung der Controller zwei tiefe Überflüge machten. Teilnehmer, Gäste und Fotografen hielten gebührenden Abstand, als die Helikopter auf ihre Parkpositionen eingewiesen wurden. Die Mittagspause konnte für Fachgespräche und Besichtigungen der Oldies der Luftrettung genutzt werden, ehe der Chef-Schiedsrichter erneut zum Start für Event 4 rief.

Slalom

Die letzte Aufgabe stand an. Würden die Favoriten ihrer Rolle beim Slalom gerecht? Würden Noah Pfeifer und Dominik Winter die neuen Deutschen Hubschraubermeister 2025 werden können? Kleine Fehler würden sich beide Spitzenteams zwar leisten können, aber der Verlust des Wassereimers würde drastisch bestraft und könnte den ersehnten Titel kosten.

Den Eimer füllt die Crew nach dem Start selbst aus einer Tonne, dann durchfliegt sie in vorgegebenen Richtungen einen Parcours aus acht Toren. Mit minimaler Referenz auf sein Ziel manövriert der Pilot unter Einsprache des Copiloten den Helikopter über ein Target (ein Tisch mit einem Durchmesser von 60 cm), auf dessen Mitte der Eimer abgesetzt werden muss. Die Zeit muss präzise eingehalten werden, der Eimer darf den Tisch nur einmal berühren und sollte dann stehen, am besten natürlich exakt im Mittelpunkt und ohne Wasserverlust.

Boser/Meier machten den Anfang. Sie flogen sehr gut, aber nicht ganz optimal. Ihr Vorsprung auf Pfeifer/Winter war jedoch so gewaltig, dass sie sich mit 287,4 Punkten wieder souverän an die Spitze setzen konnten. Nach ihrem zweiten Durchgang stand bereits fest: Team Schweiz 1 würde der Gesamtsieger werden. Nun galt es für Pfeifer/Winter den ersehnten nationalen Titel zu holen. Auch sie durchflogen den Parcours souverän, ließen nur kleine Fehler zu, setzten den Eimer dann nahezu mittig auf und wurden mit 277,1 Punkten belohnt. Neben dem zweiten Platz im Gesamtklassement wurden sie zum ersten Mal Deutsche Hubschraubermeister. Vastek/Ogonczyk-Makowska holten 267,9 Punkte, Hofherr/Heumos 258,6 Punkte. Noch vor Eichenberger/Eichenberger (238,4 Punkte) erflogen Schiele/Eger hervorragende 244 Punkte. Die Rangfolge in der Juniorenwertung, sie gilt für Piloten mit weniger als 250 Flugstunden als verantwortlicher Pilot (PIC) hieß: Eichenberger/Eichenberger vor Hofherr/Heumos und Schiele/Eger.

Die Tabelle:

1. Ruedi Boser/Stefan Meier, R44/HB-ZTF                                                1178,6 Punkte

2. Noah Pfeifer/Dominik Winter, Cabri G-2/D-HONY                                1088,5 Punkte

3. Patrick Eichenberger/Daniel Eichenberger, R44/HB-ZOC                    894,2 Punkte

4. Florian Hofherr/Manuel Heumos, Cabri G-2/D-HONY                           853,7 Punkte

5. Marek Vastek/Serafina Ogonczyk-Makowska, R44/HB-ZTF               640,8 Punkte

6. Stefan Schiele/Andreas Eger, R44/D-HFCB                                            554,8 Punkte 

Schreibe einen Kommentar