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Deutscher Hubschrauber Club e.V.

ODHM2026 – Windige Angelegenheiten

Helikopterteams aus drei Nationen flogen am ersten September-Wochenende im saarländischen Marpingen ihre Meister aus. Bei sonnigem Spätsommerwetter, fliegerisch aber stark gefordert durch extrem böigen Wind, konnten sowohl der Vorjahres-Gesamtsieger aus der Schweiz als auch der Deutsche Hubschraubermeister des Vorjahres ihre Titel erfolgreich verteidigen. 

Geprägt von der „windigen“ Herausforderung des ersten von zwei Wettkampftagen war das Leistungsniveau bei der Offenen Deutschen Hubschraubermeisterschaft außerordentlich hoch. Bei der ODHM 2026 wurden die vier klassischen Disziplinen Precision Hover, Navigation, Fender Rigging und Slalom geflogen. Die Leistungssteigerungen, insbesondere der vier deutschen Crews, wurden auch möglich, weil die Teams vor dem Event gemeinsame Trainingslager am Flughafen Baden-Baden absolviert hatten und entsprechend gecoacht wurden. So erreichte die erst 20-jährige Charlotte Ditzen mit ihrem Vater Christoph als Copilot (auf Cabri G-2) bei ihrem ersten Wettbewerb mit 944,2 von insgesamt 1200 möglichen Punkten den hervorragenden 4. Platz im Gesamtklassement, in der Juniorenwertung (Piloten mit weniger als 250 PIC-Flugstunden) kam das Duo gar hinter den Schweizern Patrik Eichenberger/Marcel Soares da Silva (R44) auf den herausragenden zweiten Platz. Auch die Neulinge des Vorjahres, Stefan Schiele/Anke Ballerstedt (R44) verbesserten sich sowohl in ihrer individuellen Gesamtpunktzahl (883,8) als auch bei der Gesamtwertung auf den 5. Platz.  

Das Segelflug-Leistungszentrum des Saarlandes, der wunderschön auf einem Plateau über der Stadt gelegene Flugplatz Marpingen, bildete die Kulisse für die ODHM 2026, an der sieben Teams teilnahmen. Nach einigen individuellen Trainingseinheiten und der obligatorischen Registrierung wurde die ODHM am Abend des 3. September eröffnet. Der zuständige Sportminister des Saarlandes, Reinhold Jost, hatte die Schirmherrschaft für die Meisterschaft übernommen und seinen Stellvertreter Torsten Lang nach Marpingen entsendet. Den gastgebenden Aero Club Saar e. V. repräsentierten Patrick Konzer und Dr. Ralf Hubo. 

Der Vormittag des ersten Wettkampftags bot angenehme Sommerluft für den technisch schwierigen Precision Hover: Bei der ersten Aufgabe schwebt die Crew mit zwei unter dem Helikopter befestigte Ketten, eine misst drei Meter und darf den Boden nicht verlassen, die andere misst zwei Meter und darf den Boden nie berühren, vorwärts, seitwärts und rückwärts in möglichst gleichbleibender Höhe entlang eines vorgegebenen Korridors. Es folgen Drehungen an den jeweiligen Eckpunkten. Schließlich muss der Helikopter auf einer Bodenmarkierung abgesetzt werden. Dabei sollten die Markierungen an den Kufen rechts und links möglichst deckungsgleich mit einer nur fünf Zentimeter breiten Bodenmarkierung sein. 

Hierbei zeigten die späteren Gesamtsieger Ruedi Boser/Stefan Meier (auf R44) mit 259,4 von 300 Punkten die beste Leistung, gefolgt von Eichenberger/Soares da Silva mit 247,8 Punkten. Ditzen/Ditzen erreichten mit 233,2 Punkten das drittbeste Ergebnis. Nicht optimal lief es für Pfeifer/Winter (auf Cabri G-2) mit für sie enttäuschenden 215,9 Punkten. 

Nach der Mittagspause in der gemütlichen (und sehr gastfreundlichen) Fliegerklause „Marpinger Check-in“ rief Chefschiedsrichter Kurt Häusermann zur Navigation.
Angelehnt an die Rettungsfliegerei mit der Suche nach vermissten Flugzeugen beinhaltet die klassische Navigation das Abfliegen einer definierten Flugstrecke ohne GPS-Hilfe. Bodenzeichen müssen dabei zugeordnet werden und bei der Ankunft auf dem Zielflugplatz gilt es im langsamen Überflug zwei Reissäckchen in Zielkreise zu werfen. Höhepunkt ist dann das Einlochen eines Kegels in das „Doghouse“ (ein simuliertes Hausdach mit einer 30 cm Luke). Berührung des Daches mit dem an einem Seil hängenden Kegel wird ebenso bestraft wie Zeitüberschreitung.  

In Marpingen hatte die Crews mit zusätzlich erschwerten Bedingungen zu kämpfen, da der Wind inzwischen erheblich zugenommen hatte und der Anflug auf das Dach weitgehend nur mit Rückenwind möglich war. Da Kompakthubschrauber wie Cabri und R44 nicht gern in böigem Rückenwind auf der Stelle schweben, hatten die Besatzungen alle Hände voll zu tun, Steuerung und Kegel in Einklang zu bringen. Mit 296,4 Punkten festigten Boser/Meier ihre Spitzenposition vor Pfeifer/Winter (289,7 Pinkte) und Eichenberger/Soares da Silva (247,7 Punkte). Eine Nullrunde gab es für die deutsche Cabri-Crew Florian Hofherr/Manuel Heumos. Sie mussten die Navigation wegen Übelkeit des Co-Piloten vorzeitig abbrechen. 

Am zweiten Wettbewerbstag begleitete strahlende Sonne die Teilnehmer der ODHM 2026, Crews wie Schiedsrichter und Bodenhelfer, beim Fender Rigging am Vormittag und dem Slalom am Nachmittag. Beim Fender Rigging (Bojen in Tonnen versenken) wird der Bootsfender unter hohem Zeitdruck versteht sich, vom Copiloten nacheinander in drei Tonnen getaucht. Es beginnt mit einer Seillänge von vier Metern, an Tonne zwei sind es sechs Meter und an Tonne drei schließlich acht Meter. Je länger das Seil wird, umso mehr Rotorabwind (Downwash) wirkt auf den Fender. Da ist beherztes Handeln gefragt.  

Boser/Meier wurden auch hier ihrer Favoritenrolle gerecht und erreichten 289 Punkte. Hart umkämpft war Platz zwei: Pfeifer/Winter holten 273,7 Punkte), Schiele/Ballerstedt erreichten 271,4 und Ditzen/Ditzen 271,2 Punkte. Der abschließende Slalom sollte also, wie so oft bei Meisterschaften wieder das Zünglein an der Waage werden.  

Beim Slalom befüllt die Crew den Wassereimer eigenständig aus einer Tonne und durchfliegt mit dem Eimer am Seil einen Tore-Parcours in erst kurz zuvor bekanntgegebener Richtung. Eimer-Oberkante muss sich immer unterhalb der Stangenmarkierung befinden. Abschließend muss der Eimer auf einem 60 cm-Tisch (Target) abgesetzt werden, Zwei Berührungen kosten Strafpunkte ebenso wie zu frühes oder zu spätes Absetzen.  

Ditzen/Ditzen absolvierten ihre Aufgabe sauber und erreichten beachtliche 232,1 Punkte. Pfeifer/Winter schafften 281,9 Punkte. Damit sicherten sich das junge deutsche Team den Titel Deutscher Hubschraubermeister, wie bereits im Vorjahr. Schiele/Ballerstedt und Eichenberger/Soares da Silva trennten nur ganze 0,6 Punkte im Slalom. Außerhalb der Wertung flogen die Polen: Zuerst Tomasz und Jacek Nowak und in einem zweiten Durchgang Tomacz Nowak mit der FAI CIG Präsidentin Serafina Ogonzcyk-Makowska als Copilotin. Die Polen waren zwar offiziell gemeldet und stellten auch drei Schiedsrichter bei der ODHM, konnten aber wegen Verspätung des Piloten die ersten drei Wettbewerbsteile nicht absolvieren. 

Bei der Siegerehrung auf dem Marpinger Vorfeld überreichte Dr. Ralf Hubo den Goldpokal des DAeC-Präsidenten an die Gesamtsieger Ruedi Boser/Stefan Meier. Die Traditionsgemeinschaft Hubschrauber der Luftwaffe e. V. wurde vom 1. Vorsitzenden Helmut Frietzsche repräsentiert. Er übergab den Silberpokal an Noah Pfeifer/Dominik Winter, die zusätzlich als Deutscher Meister ein Rotorblatt als Wanderpokal erhielten. Kurt Häusermann überreichte den Bronzepokal im Auftrag des Schweizerischen Hubschrauber Verbands an die Drittplatzierten Patrik Eichenberger/Marcel Soares da Silva. Die Juniorenwertung entschieden Eichenberger/Soares da Silva vor Ditzen/Ditzen und Hofherr/Heumos. Zudem wurde die Arbeit aller Schiedsrichter und Helfer gewürdigt; sie wurden mit Urkunden bedacht.                                                                                                                     

 

Ergebnisliste ODHM 2026 

Rang Crew Nationalität Muster Punkte 

1. Boser/Meier Schweiz R44 1139,1 

  1. Pfeifer/Winter Deutschland Cabri G-2 1061,2
  2. Eichenberger/Soares da Silva Schweiz R44 1015,1
  3. Ditzen/Ditzen Deutschland Cabri G-2 944,2
  4. Schiele/Ballerstedt Deutschland R44 883,8
  5. Hofherr/Heumos Deutschland Cabri G-2 683,0
  6. Nowak/Nowak Polen R44 270,8
  7. Nowak/Ogonzcyk-Makowska Polen R44 255,8

Bilder: Ditzen/Sick

Bilder: Ditzen/Sick

Zum Podcast des SR „GuMo-Mobil: Hubschraubermeisterschaft in Marpingen“ geht es hier.  

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