Helicopter World Championship (WHC) in Drakino 2012

Erster Wettkampftag, Donnerstag, 23.08.12

Der Vorabend verlief je nach Team und Crew mit einem russischen Kasiolbier in angespannter Ausgelassenheit. Probleme und Schwierigkeiten des allgemeinen Lebens blieben im Sinne des Liedes von Reinhard Mey außerhalb unseres Fliegerlebens. Die meisten legten sich früh schlafen, da das Frühstück heute schon ab 7:00 Uhr bereit stand. 
 
Ein Wollmützenmorgen. Wir sahen mit Besorgnis auf den Windsack der fröhlich quer stand. Der Wettbewerb startete um 9:00 Uhr mit dem Briefing für das Präzisionsfliegen. Die Schiedsrichter legten z.T. Regenschutz an, da die Vorhersage Regen ankündigte. Letzte Unklarheiten zu den Regeln wurden geklärt. Die Teams konnten dann das Hoverrechteck besichtigen. Es lief 35 x 65 Meter. 
 
Der erste Wettkampf verlief regelmäßig. Bei 50 Teilnehmern dauerte es von 10:15 – 14:00 Uhr bis alle durch den Precision waren. Der Anflug von der Parkposition bis zur Preparation Line verlief je nach Hubi und Crew unterschiedlich; manche hoverten entsprechend der üblichen Airtaxi-Rules, andere legten die Strecke tief fliegend zurück, einer so tief, dass man den Eindruck hatte, er flöge im bzw. zwischen dem Gras statt drüber. 
Die Ergebnisse brachten viel „Hallo“ mit sich. Bis auf einige (gesetzte) Russen, war niemand auf einem Platz gelandet, mit dem er gerechnet hat. Beste Deutsche Mannschaft waren Andreas Rübner und Holger Wolf auf Platz 5.  
 
Der zweite Wettkampf, Fenderrigging, sollte um 1715 stattfinden. Da der Wind jetzt bei 26015/25 lag, wurde der Beginn um eine Stunde verschoben. Wir nutzten die Zeit, um in einem angenehmen Stuhlkreis, bei Kaffee und Keksen die Wunden zu lecken und die Motivation für den anstehenden Fender zu erhalten. Da dieser Wettkampf heute in zwei Kursen gleichzeitig stattfand (nicht als Parallel sondern zwei nebeneinander liegende Wettkampfbahnen), waren wir gegen 1930 Uhr fertig.  

Es zeigte sich für zwei unserer Teams, dass es dieses Mal die Regel, dass man die Außenlast nur am vorgesehenen Haltegriff halten darf, sehr eng ausgelegt wurde. Die beiden Teams hielten die Last zwar nicht zu tief fest, so dass es nicht als Verkürzung galt, aber nicht korrekt: also unnötiger Punktabzug. Dafür wurde die Regel, bei der letzten Tonne den Fender gesteuert abzusetzen, locker genommen. Manch eine, in diesem Fall leider keine deutsche Mannschaft, ließ den Fender einfach fallen und gewann wertvolle Zeit. Auch hier fand auf der Strecke zwischen den Parkplätzen und der Preparation-Line eine Art vorgezogener Freestyle statt, wenn die Zeit etwas enger wurde. Die beste deutsche Crew war im Fender Marcel Stegmüller und Jens Scholpp auf Platz 6. Zu bemerken ist noch, dass das internationale Schiedsrichterteam untereinander eine ausgesprochen angenehme Stimmung unterhielt. Insgesamt kann man an dieser Stelle schon sagen, dass die Organisation einer Weltmeisterschaft entspricht. Das beste deutsche Tagesteam ist ebenfalls Stegmüller / Scholpp geworden, dieses Mal auf Platz 7. 
 
Am Abend fand das große Briefing für den morgigen Wettkampftag statt. Es war sehr belebt und viele Fragen an die Jury – berechtigte und haarspalterische – kamen aus den Crews. Ein Indikator dafür, dass nun auch den letzten gelassenen das Wettkampffieber gepackt hat. Im Anschluß steckte die deutsche Mannschaft die Köpfe zusammen, um heiß die Vermutungen zur Navigationsaufgabe für den nächsten Tag zu diskutieren. Hoffen wir, dass diese Spannung unsere Teams morgen zur höchsten Konzentration beim Navigieren, der Königsklasse des Wettbewerbs, beflügelt.  

Zweiter Wettkampftag, Freitag, 24.08.12

Die Teams starteten gnadenlos früh zum Briefing, um Zeit genug für alle Navigationsflüge zu gewinnen. Noch früher mussten die Schiedsrichter ins Feld. Die meisten blieben den ganzen Tag auf ihrem Posten. Draußen in der Wiese wurden sie mit Getränken und Sandwiches versorgt. Die Sonne schien immer wieder, die Temperaturen waren gut, lediglich der Wind war etwas unangenehm, was schließlich dazu führte, dass die rechte starke Sonne unbemerkt einen Sonnenbrand verursachte. 
 
Über den ganzen Tag verschwanden die Piloten erst zum Navigationsparcours und dann in das sogenannte „Gefängnis“, wo es ihnen unmöglich sein sollte, Informationen über die Lage der Suchbox und zu findenden Markierungen am Boden an die folgenden Mannschaften weiterzugeben. Aus Sicht einer Schiedsrichterposition können wir ein paar Eindrücke vermitteln: Meine Position der Entry-Punkt des Suchgebietes. 50 Mal wird ein Hubschrauber auf unsere Position zufliegen und wir werden entscheiden, ob die Höhe stimmt und der Entry genau getroffen wird. 

Um 07:30 Uhr werden wir mit einer MIL-2 rausgeflogen (ist deutlich schneller, da wir den Fluss Serpeyka überqueren müssen. Die Sichtzeichen sind schnell aufgebaut, sodass wir zu unserem Tagesgeschäft übergehen können: warten, Geschichten erzählen, soweit es die Sprache zulässt und immer wieder die Hubis bewerten, die in Abständen von 10 Minuten zwischen 10°° und 19°° Uhr vorbeikommen. 
 
Unser russischer Schiedsrichterkollege brach einige Zweige von einem Baum ab, der rote Beeren trug. Gastfreundlich bot er an, eine zu probieren und wir merkten schnell, dass sie sehr stark wie ein Rohstoff für Aperol schmeckten. Der Strauß mit roten Beeren wurde Irina, unserer Leiterin mitgebracht.  
 
Diskutiert wurde auch, ob wir damit rechnen mussten, dass ein russischer Bär unsere Ruhe stören könnte; dafür erschien uns das Land aber zu groß, als dass gerade hier einer auftauchen würde.  
 
Wir rechneten nicht damit an dieser Position viele Strafpunkte zu vergeben, da sie einfach zu finden ist und die Höhe in der Regel von allen eingehalten wird. So erfahren wir unsere Lebensgeschichten voneinander. Versorgt wurden wir mit Sandwiches, Getränken und Obst.  
 
Einen „Zusatztest“ habe ich mir einfallen lassen. Wenn aus unserer Meinung nach sicher ist, dass die Sichtzeichen von den Besatzungen erkannt wurden und ihr Kurs sicher erschien, winke ich zum Gruß heftig. Winkten die Crews zurück, deutete ich dies als ein Zeichen dafür, dass noch genügend Kapazität für die anstehende Suchaufgabe zur Verfügung steht. 
 
Da ich mir gemerkt habe, welche Besatzungen das waren, werde ich am Abend anhand der Ergebnislisten nachschauen, ob meine Überlungen gestimmt haben: alle grüßenden Crews sollten in der Box besser abgeschnitten haben, als die „unfreundlichen“. 
 
Beeindruckend waren viele Überflüge, da die Besatzungen einen deutlichen Sinkflug auf die geforderte Höhe machten und dabei meistens noch eine Kurve flogen. 

Dritter Wettkampftag, Samstag, 25.08.12

Briefing 09:00 Uhr mit den inzwischen üblichen complaints vieler Besatzungen.  

Einige der Regeln erscheinen aus Sicht der Besatzungen etwas zu bürokratisch geraten, da sie weniger die fliegerischen Qualitäten zu bewerten scheinen, als juristische Spitzfindigkeiten darstellen.  
 
Bis zum Beginn um 10:15 Uhr laufen die Crews zu Fuß den Slalomparcours ab, um sich mental die Reihenfolge noch mal ins Gedächtnis zu speichern. In der Hitze des Wettkampfes ist es dann immer noch schwierig genug, sich von der hochkonzentrierten Hover- und Jonglierarbeit an dem Tor an dem man sich gerade befindet, für das richtige nächste Tor zu entscheiden. Einigen Besatzungen gelang dies dann auch nicht. Sie bekamen Punkte für das Abfliegen in falscher Reihenfolge abgezogen. Hin und wieder touchierte jemand mit dem Eimer den Boden (und verlor dabei wertvolles Wasser) oder schaffte es nicht ein Tor ohne Berührung zu durchfliegen. Ein Team verwechselte ein Tor wohl mit einem Billardspiel, den sie managten es den Eimer zwischen den Torpfosten hin und her titschen zu lassen: jede Berührung führthe zu 5 Strafpunkten. Den besten Slalom als Deutsche haben Martin Eigner und Michael Schauff geschafft. Im Gesamtergebnis erlangten Marcel Stegmüller und Jens Scholpp den besten deutschen Platz. In der Teamwertung haben wir die Briten um einige wenige Punkte die Mannschaftwertung für die Silbermedaille abgerungen. Da hier noch Einsprüche zu erwarten sind und die Differenz zu den Briten nur etwa 8 Punkte beträgt, kann sich dies noch ändern.  
 
Der angekündigte Regen zeigte sich nur vorsichtig tröpfelnd und der Wind war gutmütig. Für die Zuschauer gab es ein Programm mit viel Musik und Verkaufsständen mit russischen Spezialitäten. Wer eine Abwechslung zu unserem Hotelessen suchte, konnte sich einen Fleischspieß kaufen. Die Musik wurde von großen speziellen LKW aus abgespielt, die mit ihren Basslautsprecher sogar den Hubschrauberlärm übertönten. In der Mittagspause fand eine Performance von Reiterspielen in traditioneller Weise mit Schwertern und Lanzen zwischen offensichtlich edel gekleideten Herren und mit Fellen bekleideten Gegnern statt. Ein Fahrzeug mit Waffen, Rädern, Flügeln, Radar oder so was ähnliches konnte beklettert oder als Fotohintergrund genutzt werden. Man müsste mal unsere Kinder fragen, zu welcher Geschichte dies Fahrzeug gehört.  

Nachmittags fand der heiß erwartete Freestyle statt. Ursprünglich wollten nur 4 Teams antreten. Im Verlauf der Woche sind aus verschiedenen Gründen noch einige auf die Idee gekommen ihre Leistungen zu zeigen. So zeigten 10 Hubis, was sie konnten. Alle Flüge waren schön geflogen und es zeigt sich, dass kreative Köpfen immer wieder etwas Neues einfällt. Für mich war es das erste Mal, dass ich Robinsons in dieser Disziplin gesehen habe und ich war erstaunt, was man mit diesem halbstarren Rotorsystem leisten kann. Quentin Smith flog so nah an den Boden ran, dass er dabei heftig Staub mit den Kufen aufwirbelte und beendete seine Show mit einer Rückwärtsautorotation in das Landequadrat. Über Funk entschuldigte er sich, dass er um 3 Meter außerhalb gelandet war. Wie sich zeigte, musst er ein paar zusätzliche Minuten für sich beanspruchen, um den Motor wieder anzulassen; er hatte eine scharfe Autorotation durchgeführt. Wie immer, wenn eine BO 105 dabei ist, erschien dieser Flug am spektakulärsten. An dieser Stelle ging sicher manchen von uns Günther Zimmers Freestyle Performance durch den Kopf, die sicher mit zu den besten gehört hätte. Abgeschlossen wurde dieser Teil durch eine ästhetische Vorführung eines Cabris durch Werner, unseren Vertreter des deutschen Teams.  

Das Einhalten der Startfolge gelang ausgesprochen gut, wie man überhaupt sagen kann, dass die Organisation hier in Drakino aus unserer Sicht als Gäste ausgesprochen gut geklappt hat. Was hinter den Kulissen geschehen ist, können wir natürlich nicht wissen. In Hinblick auf eigene Veranstaltungen wäre es interessant, das auch zu erfahren.   
 
Heute Abend sind Delegationen der Länder zum Bürgermeister von Drakino eingeladen. Zeitgleich findet die Schiedsrichterehrung bei uns in der Bar statt. 
Wir sind gespannt auf die morgigen Endergebnisse und freuen uns auf den letzten Wettkampf „Helicopter Race“, bei dem aus jedem Land die beste Crew teilnehmen darf. 

Sonntag, 26.08.12

Gestern Abend gab es einige Feiern rund um die Veranstaltung. Der Bürgermeister von Serpukhov hat Delegationen der teilnehmenden Mannschaften zu sich eingeladen zumindest wurde das so kommuniziert. Tatsächlich handelte es sich um eine Beachparty, bei der die internationalen Teams kurz vorgestellt wurden sie sich ein Bier kaufen konnten und mit extrem lauter Musik beschallt wurden. Glücklich waren diejenigen, die vorher schon ein Abendessen gehabt hatten. Die Schiedsrichter hatten eine Veranstaltung in der Bar des deutsch- österreichischen Hauses  und in den Restaurants in Drakino wurden kleinere Partys gefeiert. Es gab eine Menge zu diskutieren, viele wussten um die eine oder andere Ungerechtigkeit und der Wodka tat sein übriges dazu.  
 
Heute sollte ein neuer Wettkampf ausprobiert werden, das Helicopter-Race.  
 
Auf zwei nebeneinander liegenden Strecken wurden je 5 Tore in einem Zick-Zack Kurs aufgestellt, durch die ein Fender am Seil gezirkelt werden musste. Vom Start aus ging es einmal die Strecke entlang und dann wieder zurück. Am Ende musste das Seil verlängert und der Fender in einem Fass versenkt werden. Der Fender durfte die Tore berühren, aber nicht den Boden. Die Zeit vom Start bis zum versenkten Fender wurde gewertet und mit dem daneben fliegenden Team verglichen. Der Verlierer ist ausgeschieden. Darüber hinaus wurde bestraft, wer mit dem Fender den Boden berührte oder ein Tor ausgelassen hat. Auch das durchfliegen der Tore in der falschen Richtung wurde bestraft. Man kann sich denken, dass dies eine spannende Show war. Natürlich gewannen russische Teams den Wettkampf.  
 
Bei den späteren Flugvorführungen überraschte eine Viererformation der MI- 38/Prototyp 2 und ein Vorführungsflug der „Black Shark“, Kamov 52.Letztere flog und verschwand wieder, ein static display war wohl wegen der militärischen Bedeutung nicht gewünscht. 
 
Am Nachmittag wurden die Crews zur Siegerehrung aufgerufen.Unser deutsches Team schaffte es in der Teamplatzierung auf das dritte Siegertreppchen. Bis zum Schluss war wegen Diskussionen zur Bewertung nicht klar, ob der zweite Platz an die englische oder deutsche Mannschaft gehen würde. Die Juniorenmannschaft Tony und Werner Iberler wurden zu Ihrer Vizemeisterschaft gratuliert. Nach der Siegerehrung war Teamtreffen und Hubert Gesang, der Teamkapitän sprach seinen Stolz zur Leistung der Crews aus und betonte nochmals, dass im Gegensatz zu anderen – militärischen Mannschaften die Teilnehmer ihr Training und ihre Teilnahme selber finanziert hatten. Die Gesamtergebnisse sind auf der Homepage der Veranstaltung zu finden. 
 
Die Abschlussfeier fand im Freien statt und wurde durch eine Bühnenperformance eingeleitet.  Am Abend gab es ein Bankett mit vielen Ehrungen und fantastischen Essen. Irina Grushina hat eine Superorganisation hier in Drakino geleistet. Das wurde entsprechend gewürdigt. Die Teams und Offiziellen tauschten viele Geschenke und Ehrungen aus, die teilweise unsere Gepäckkapazität sprengen werden. Natürlich tauschte man Adressen aus und besprach in Vorfreude die nächsten Wettkämpfe – im folgenden Jahr. 

Text: Axel Wingerath

Tolle Medienberichte zur WM in Drakino

Unser WM-Team Martin Eigner / Michael Schauff in einem Pressebericht des Augsburger Tagblatts, anlässlich der kürzlich stattgefundenen WM in Drakino und dem hervorragenden 3. Platz der Mannschaftswertung:  

Weitere Bilder zur Heli-WM 2012 in Drakino sind hier zu finden.