Auf dem Flugplatz von Zielona Gora (EPZP), Przylep fanden vom 12. bis 16. August die Weltmeisterschaft im Hubschrauberfliegen statt. Trainieren konnte man ab Samstag, den 8. August, was von vielen östlichen Teams wahrgenommen wurde.

Besatzungen aus dreizehn Ländern nahmen mit insgesamt 49 Teams teil. Weiter gab es Schiedsrichter aus Neuseeland und Frankreich, womit 15 Nationen beteiligt waren. Als Exoten kann man einen Piloten aus Macao bezeichnen, der mit einem britischen Copiloten startete und zwei Besatzungen aus China, die es nach häufigen Teilnahmeversuchen in den Vorjahren dieses Mal zur Veranstaltung geschafft haben. Deutschland nahm mit sechs Teams teil. Geflogene Hubschraubermuster waren R44, R22, H269 Schweizer, H300 und MiL 2.

Die polnischen Veranstalter um Wojciech Dobrzynski, Veranstaltungsdirektor und Präsident der polnischen Hubschraubervereinigung, erzeugten mit ihrem Luftfahrtgeist eine angenehme Atmosphäre. Dadurch konnten kleinere Unwägbarkeiten kompensiert werden. Es war gerechtfertigt, eine Weltmeisterschaft in die Hände dieses relativ jungen Teams zu legen. Vorsitz der Jury übernahm David Hamilton (NZL) mit Wolf-Dietrich Tesar (A) und Konrad Geißler (D). Oberste Schiedsrichter waren Wolfgang Perplies (D) mit Allen Norris (GB).

Während des gesamten Zeitraums herrschten Temperaturen im oberen 30° C-Bereich. Das war weder für die Besatzungen bei den Disziplinen am Platz, noch für die Schiedsrichter immer angenehm. Im Rahmenprogramm befanden sich ein traditioneller Abend mit Essen und Musik, eine Party in einem Palmengarten in Zielona Gora, ein Besuch von Felix Baumgartner und ein militärischer Sokol Hubschrauber der polnischen Streitkräfte. Die Besatzung der Sokol zeigte, dass man auch mit einem Kampfhubschrauber einen Fender in ein Fass bringen kann. Für (einige Tausend) Zuschauer gab es Samstag/Sonntag viele Möglichkeiten sich in den Flugpausen zu beschäftigen. Eine ca. 5m große Strohpuppe, wenn ich es richtig verstanden habe, „Frau Przylep“ (Miś z Przypelpo), wurde per Hubschrauber eingeflogen.

Erwartungsgemäß wurden fast alle vorderen Plätze durch östliche Teams und Mannschaften belegt. Weltmeister wurden erneut Maxim Sotnikov/Oleg Puajukas (RUS) vor Viktor Korotaev/Vladimir Ziablikov (RUS) und Aleksei Maiorov/Sergei Kostin (RUS). Bei den Junioren konnte der österreichische Skispringer Thomas Morgenstern mit Phillip Kohle die Juniorenweltmeister stellen. In der Gesamtwertung belegten sie den 21. Platz. Professionelle Wettkampferfahrung scheint demnach ein wichtiger Faktor und auf andere Sportarten übertragbar zu sein.

In der Mannschaftswertung gewannen Russland vor Weißrussland und der Ukraine. Deutschland belegte mit 9,1 Punkten Rückstand (von 3600 möglichen) auf die Ukraine Platz vier.

Zu erwähnen wäre hier, dass die weißrussischen Hubschrauber wegen eines technischen Defektes den Navigationsevent nicht starten konnten. Das Reglement sieht dann vor, dass sie ihren Start am Ende es Feldes nachholen. Der Hubschrauber funktionierte nur einen Flug und war erneut defekt. Es wurde eine geheime Abstimmung durchgeführt, ob sie die Flüge am Ende des Folgetages nachholen dürfen. Der für diese Veranstaltung charakteristische Sportsgeist siegte: sie durften am späten Nachmittag des Folgetages nachfliegen. Da die Flüge bis in die Dämmerung gingen und nach dem Ende die Schiedsrichter wieder aus dem Navigationsgebiet abgeholt werden mussten, kreierte man für Polen eine neue Schiedsrichterfunktion: den „Nightjudge“.

In der Einzelwertung belegten Andreas Ruebner mit Holger Wolff Platz 14 (gute 1128,6 Punkte) und Marcel Stegmüller mit Michael Schauff Platz 17 (ebenfalls gute 1122,8 Punkte). Bedenkt man, dass die russischen Mannschaften inklusive Weißrussland und Ukraine in den Wochen vor der Meisterschaft drei bis vier Landesmeisterschaften absolvierten und dies jedes Mal umfangreiches Training beinhaltet, stellen unsere Ergebnisse von der Punktzahl eine gute individuelle Leistung dar. Michael Schauff und Marcel Stegmüller haben je schon bessere Punktzahlen erreicht, übten vorher aber nur einmal zusammen.

Im Freestyle gewann Sigfried Schwarz (Blacky) auf der Bo 105 vor Maxim Sotnikov und Elena Zhuperina. Die Vorführungen stellen immer wieder einen Höhepunkt der Veranstaltung dar.

Alle Ergebnisse kann man im Detail auch beim Deutscher-Hubschrauberclub.de unter den Menüpunkten Media/Downloads nachlesen. In den unten aufgeführten Berichten gibt es auch noch ein paar Details über tägliche Ereignisse.

Da dies eine FAI-Veranstaltung (Internationaler Luftsportverband) war, fanden Doping-Kontrollen statt. Ein Team der Sporthochschule Köln hat keine positiven Proben ermitteln können.

Letztlich muss noch einmal erwähnt werden, dass die Veranstalter ihr Möglichstes zum Gelingen der Meisterschaft beigetragen haben. Zwischenfälle gab es bei der nebenberuflich organisierten Veranstaltung immer wieder. Durch ihren Spirit for Aviation konnten sie vieles kompensieren und haben allen eine angenehme Fliegerwoche beschert. Daneben belegte das polnische Team Marcin Szamborski /Michal Szamborski den 8. Platz in der Gesamtwertung.

Axel

 

Die Leistungen der jeweils drei besten Deutschen Teams im Vergleich der letzen Jahre (Ergebnisse der WHC 2012/Drakino sind offline):

Bamberg 2011

BOHC 2013

ODM 2014

WHC 2015

1120,2

1107,6

971,1

1128,6

1086,4

1036,0

935,6

1122,8

1072,4

962,2

883,3

987,4

3279,0

3105,8

2790,0

3238,8