Tag 3 - Russischer Sieg bei der Hubschrauber-WM in Minsk

Sie fliegen in einer Klasse für sich

Die 16. FAI World Helicopter Championships in Minsk sind schon wieder Geschichte. Die letzte Disziplin ist beendet und die große Siegerehrung wird vorbereitet. Es gab Höhen und Tiefen im kleinen deutschen Team, das in diesem Jahr aus nur zwei Crews bestand, so dass eine Teilnahme an der Nationen-Teamwertung nicht möglich wurde. Auch bei den favorisierten osteuropäischen Teams lief nicht alles nach Plan in Minsk, obgleich die Hubschrauber-Weltmeister 2018 mit Maxim Sotnikov/Aleh Puajukas, wie erwartet, aus Russland kommen. Um die Spannung der 16. Hubschrauber-WM noch etwas aufrecht zu halten, hier zuvor noch die Ergebnisse des Slalom:

Für jene, die die Bedingungen noch nicht kennen: Im Slalom manövriert der Copilot einen 4 kg schweren, mit Wasser gefüllten Eimer an einem fünf Meter langen Seil durch einen Stangenparcours, dessen Durchflugrichtung erst kurz vor dem Event bekanntgegeben wird. Der Pilot muss sich auf die klaren Kommandos des Copiloten verlassen, denn er hat kaum Referenzen zu den Hindernisstangen unter dem Helikopter. Am Ende des Parcoures verlängert der Copilot das Seil auf elf Meter, der Eimer muss dann auf einem kleinen Target-Tisch (60 cm Durchmesser) abgesetzt werden. Gemessen werden Zeit, Ablage auf dem Tisch zum Mittelpunkt, mögliches mehrfaches Absetzen sowie Wasserverlust oder mögliche Bodenberührungen des Eimers im Umkreis des Targets. Lässt der Copilot den Eimer umkippen oder fallen, gibt es 300 Strafpunkte, also ein deprimierendes Null-Ergebnis.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Beide deutschen Crews haben ihre Eimer auf dem Tisch abgesetzt. Das gilt für 33 von 34 teilnehmenden Crews. Einzig Maria Mus aus Polen, die als sehr talentierte Pilotin gilt, hatte Pech. Ihr Copilot Jakub Malec verlor den Eimer. Damit hatte das polnische Paar, das bei den ersten beiden Disziplinen noch weit vorn mitgemischt hatte, alle Chancen auf eine gute Gesamtplatzierung verspielt. Im Salom wurden sie mit null Punkten letzte. Im Gesamtklassement fielen sie weit nach hinten zurück.

Mit 298,7 Punkten setzten sich die russischen Favoriten durch. Maxim Sotnikov/Aleh Puajukas spielten ihre ganze Routine aus und sorgten mit einer superstarken Leistung auch für ihren knappen Gesamtsieg. Platz zwei belegten Alexandr Zhuperin/Nikolay Burov mit 298,1 Punkten vor den drittplatzierten Weißrussen Mikita Lapsen/Uladzislau Kurs (297,6 Punkte). Auf den achten Platz flogen Thomas Morgenstern/Stefan Seer mit 288,8 Punkten. Damit konnten die Österreicher ihr schlechtes Navigationsergebnis zwar relativieren, für eine Gesamtplatzierung im oberen Teilnehmerfeld langte dies allerdings nicht mehr.

Martin Eigner/Michael Schauf erlebten einen dunkelgrauen Vormittag in Minsk. Weit unter ihren Möglichkeiten erflogen sie 190,9 Punkte und damit nur Rang 31. Etwas besser machten es Hartmut Hopf/Mario Fuß. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme erreichten sie im Slalom immerhin 261,4 Punkte und Rang 28.
Maxim Sodnikov/Aleh Puajukas sind die neuen Hubschrauber-Weltmeister 2018. Damit siegte die in allen vier Disziplinen beständigste Crew. Von 1200 möglichen Gesamtpunkten erreichten sie 1194,5 vor ihren russischen Landsleuten Andrey Orekhov/Vadim Sazonov (1190,9 Punkte). Die Bronzemedaille geht ans Gastgeberland: die weißrussische Crew Aliaksei Machanski/ Anton Danchanka (1180,7 Punkte). Auf Rang vier flogen die polnischen Brüder Marcin und Michal Szamborski (1174,4 Punkte). Das beste Damenteam kommt ebenfalls aus Russland: Elena Prokofjeva und Diana Riiazova erreichten mit 1169,1 Punkten Rang fünf.

Die osteuropäische Überlegenheit ist im Helikopterflugsport mehr als deutlich. Unter den besten 19 Besatzungen rangierten in Minsk elf russische, vier weißrussische, zwei ukrainische sowie eine polnische Crew. Erst auf dem 20. Platz etablierte sich mit den Österreichern Thomas Morgenstern/Stefan Seer eine westeuropäische Besatzung. Martin Eigner und Michael Schauff landeten auf dem 24. WM-Gesamtplatz (946,2 Punkte) Hartmut Hopf/Mario Fuß wurden 29. mit 856,6 Punkten.
Während einige Teams am Wochenende noch zu weiteren Starts in der Weltcup-Wertung antreten werden, kann sich Team Germany jetzt entspannen und die große Siegerfeier genießen, bevor es mit der Linie wieder zurück nach Deutschland geht.
Renate Strecker

  • Mi-2_Slalom
  • Mi-2_Target-Tisch
  • R44_Slalom

Fotos: Gaby Bühler-Seidel
Mi-2 Slalom:
Eine Mi-2 aus dem Gastgeberland Belarus bei der Wasseraufnahme am Start.
Mi-2 Target-Tisch:
Stabilität und Unempfindlichkeit bei Wind: Mi-2-Helikopter zählen in Osteuropa zu den bevorzugten Wettbewerbsmustern.
R44 Slalom:
Mit ihrer gelben R44 schafften es nur die polnischen Szamborski-Brüder die Phalanx von Russen, Ukrainern und Weißrussen zu durchbrechen. Sie landeten auf Rang 4.