Team Germany bei der Hubschrauber-WM in Minsk, Tag 2:

Der lange Tag der Navigation

Tag zwei der 16. FAI World Helicopter Championships in Minsk. Bei der Navigation über Land ist nicht nur absolute Konzentration bei den Helikopterbesatzungen gefragt sondern auch „Stehvermögen“ bei Schiedsrichtern und Bodenhelfern. Sie müssen mehr als acht Stunden draußen auf der Navigationsstrecke ausharren, und die Flüge der WM-Teilnehmer bewerten. Neben Sonnencreme und Regenschutz gehören Proviant und viel, viel Trinkwasser zu ihrem Standard-Equipment. Für die deutschen Helikopterfans hier das Zwischenergebnis vom zweiten Wettkampftag in Minsk:

Bei Nieselregen, der aber schnell recht gutem Flugwetter Platz machte, begann das Event am frühen Morgen. Alle 34 Crews des Vortages gingen wieder an den Start. Die Crews absolvierten ihre Strecken jeweils innerhalb von rund 30 Flugminuten. Die exakten Start- und Landezeiten variierten nach den Grundgeschwindigkeiten der jeweiligen Hubschraubermuster.
Nun sollte man meinen, dass Weißrussen sich im Bereich um ihre Hauptstadt bestens auskennen und in der Navigation ganz vorn mitmischen. Nicht ganz! Nur eine Belarus-Crew schaffte den Sprung unter die besten fünf Besatzungen. Machanski/Danchanka belegten Rang 5 mit 299 Punkten. Der Kampf um die Spitzenplätze verlief aber ausgesprochen knapp. Die Nasenspitze vorn hatte das polnische Brüderpaar Marcin und Michal Szamborski. Sie siegten in der Navigation mit 299,6 von 300 möglichen Punkten vor drei russischen Crews.Viktor Korotaev/Vladimir Ziablikov kamen punktgleich auf den zweiten Platz (hier entschied die niedrigere Anzahl der Flugstunden des Polen über Platz eins). Andrey Orekhov/Vadim Sazonov, die schon den Präzisionsflug für sich entscheiden konnten, holten mit 299,1 Punkten Platz drei. Ex-Weltmeister Maxim Sotnikov/Aleh Puajukas landeten mit nur 0,1 Punkten Abstand auf Rang vier. Martin Eigner und Michael Schauff etablierten sich auf dem 20. Rang mit 239,2 Punkten. Hartmut Hopf und Mario Fuß landeten auf Platz 27 (193,3 Punkte). Nur wenig besser die Platzierung der österreichischen Spitzencrew Morgenstern/Seer. Sie erwischten keinen guten Tag und kamen mit für sie unbefriedigenden 198,2 Punkten nur auf den 26. Platz.

Die Navigation ist übrigens das Event bei Hubschrauber-Wettkämpfen, bei dem die Zuschauer am Platz wenig Möglichkeiten haben, das fliegerische Geschehen hautnah zu verfolgen. Trotzdem gilt die Navigation als eine große fliegerische Herausforderung für die Wettbewerbs-Crews, denn sie orientiert sich wie kaum ein andere Disziplin an der klassischen Luftrettung. Die ausgelegten zehn Bodenzeichen in einer definierten Suchbox symbolisieren die Suche nach einem vermissten Luftfahrzeug. Die unterwegs abzuwerfenden Reissäckchen und das präzise Einlochen eines Kegels in einer 30 cm großen „Dachluke“, alles auf Zeit versteht sich, stellen die Versorgung aus der Luft mit Medikamenten oder Verpflegung dar. Die Besatzungen werden nach ihrem Flug dann auch direkt ins „Jail“ geleitet. So wird sichergestellt, dass sie Teamgefährten, die die Navigation noch nicht absolviert haben, Hilefestellung geben. Handys sind im Jail natürlich auch verboten. Mit dem Slalom steht am heutigen Freitag die letzte der vier WM-Disziplinen auf dem Programm.

Besinnung in Minsk: Gedenken an Günter Zimmer

Am zweiten Wettkampftag der 16. FAI World Helicopter Championships wurde es für eine kurze Zeit sehr still auf dem Airfield in Minsk. Motoren und Rotoren der Hubschrauber ruhten Zeit für ein Innehalten in Erinnerung an Günter Zimmer.
Im August 2010 war Zimmer auf dem Flugplatzgelände in Minsk mit seiner schwarzen MD 500 tödlich verunglückt. Er hatte gemeinsam mit seinem damaligen Copiloten Lothar Oehler an einem internationalen Wettbewerb in Belarus teilgenommen. Und wie häufig nach offiziellen Wettbewerben, flog er anschließend sein Solo-Freestyle-Programm. An diesem heißen Sommertag setzte er seinen Immelmann-Turn zu tief an, viel zu tief. In der Abwärtsbewegung hatte er nicht mehr ausreichend Spielraum zum Erdboden, konnte seinen Helikopter nicht mehr hochziehen. Der einmotorige Turbinenhubschrauber schlug mit hoher Energie auf dem Boden auf und fing sofort Feuer. Günter Zimmer hatte keine Überlebenschance.
Lothar Oehler hatte die WM-Teilnehmer eingeladen zu einer kurzen Gedenkfeier an der Absturzstelle und die Resonanz der Teams war überwältigend. Nahezu alle kamen – auch zu Ehren von Irina Harelyshavar. Die Witwe von Günter Zimmer stammt aus Weißrussland und musste damals den Absturz, ebenso wie Lothar Oehler, vor Ort miterleben.
An der Absturzstelle hielt der DHC-Vorsitzende Martin Eigner eine kurze Ansprache, und dort wo ein Stein an Günter Zimmer erinnert, legten die Gedenkfeier-Teilnehmer Blumen ab.

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Fotos: DHC
Team Germany an der Gedenkstätte für Günter Zimmer: v. l.: Hartmut Hopf, Susanne und Hubertus Fechter, Gaby Bühler-Seidel, Irina Harelyshavar, Hubert Gesang, Martin Eigner, Michael Schauff, Lothar Oehler und Mario Fuß.
Fotos: Gaby Bühler-Seidel:
Bild 1 Crew Hopf/Fuß bei der Vorbereitung zum nächsten Start.
Bild 2: die für Wettebewerbe bevorzugten Helikoptermuster: R44 und Mil Mi-2 (im Hintergrund)