ODHM 2019: Die alten und die neuen Meister

Der schöne und Hubschrauber-freundliche Regio Airport Mengen bildete vom 18. bis 21. Juli die Kulisse für die Offene Deutsche Hubschraubermeisterschaft 2019. Gemeldet für die fliegerische Teilnahme hatten 13 Teams, wobei eines kurzfristig absagen musste. An den Start gingen also 12 Crews aus Tschechien (1), aus der Schweiz (4) und aus Deutschland (7). Siegreich waren letztlich die Titelverteidiger: Andreas Rübner und Holger Wolff.

Nach einer anspruchsvollen Navigation am Freitagvormittag setzten sich zunächst Martin Eigner/Michael Schauff mit 295 von 300 möglichen Punkten an die Spitze. Rübner/Wolff folgten mit 289 Punkten vor den Schweizern Ruedi Boser/Stefan Meier. Mit 250 Punkten sicherten sich Fritz und Friedrich Renner (Vater und Sohn) vorerst den vierten Rang. Während zwei Teams aus der Schweiz die Gesamtflugzeit überschritten und disqualifiziert werden mussten, verschafften sich die späteren Juniorensieger Frank und Maurice Rudolf (ebenfalls Vater und Sohn) eine gute Ausgangsposition für den Parallel-Fender. Der fand am Nachmittag bei leicht auffrischendem Wind statt.

In ausgeloster Reihenfolge müssen hierbei Fender (Bojen) auf Zeit in drei Tonnen versenkt werden. Im Anschluss fliegt der Helikopter durch ein Ausfluggate zu einem Doghouse. Der Copilot muss dabei einen Kegel in einer 30 x 30 cm kleinen Luke (ohne Berührung des eigentlichen Doghouses) versenken. Der Pilot hat dabei wenig Referenzen, und muss exakt auf die Kommandos seines Copiloten reagieren. Bei aller Präzision, die hierbei gefragt ist, darf aber die knappe Zeitvorgabe von 2.40 min. für den Fender nicht außer Acht gelassen werden.

Nach Tag eins holten Boser/Meier auf, denn sie gewannen die Fender-Disziplin mit hervorragenden 299,7 von möglichen 300 Punkten. Rübner/Wolff folgten ganz dicht dahinter mit 299 Punkten. Sehr gut plazierten sich auch Sebastian Fuhr/Helmut Brand mit 298,1 Punkten; sie hatten aber nach einer, sagen wir suboptimal verlaufenen Navigation schon einen zu großen Abstand zum Spitzentrio. Die Lokalmatadoren Hartmut Hopf/Mario Fuß (aus Sigmaringen und Ulm) kamen mit 294 Punkten auf den fünften Platz. Da Eigner/Schauff am Vormittag gut vorgelegt hatten, blieben sie auch nach der zweiten Disziplin (297,6 Punkte) auf dem Spitzenplatz.

Der Slalom sollte am Samstag also die Entscheidung bringen, drei Crews erhoben da ihre Ansprüche. Eigner/Schauff blieben unter ihren Möglichkeiten mit nur 250,7 Punkten. Auch Boser/Meier versemmelten ihren Slalom und erreichten 245,8 Punkte. Nicht ganz optimal verlief der Parcours auch für Rübner/Wolff, denn 285,8 Punkte sind für das eingespielte Duo eigentlich zu wenig. Dennoch reichte es für den Gesamtsieg.

Im Verlauf des Slalom-Parcours muss ein mit Wasser gefüllter Eimer durch einen Stangenwald manövriert werden. Am Ende verlängert der Copilot das Seil und der Eimer wird auf einem Target (Tisch) vorsichtig abgesetzt. Auch hier hat der Pilot keinerlei Referenz zum unter ihm befindlichen Areal, und muss sich auf seinen Co nahezu „blind“ verlassen. Gemessen werden dann die Ablage und der Wasserverlust, natürlich auch die Flugzeit durch die Tore und auch die korrekte „Flugrichtung“ des Eimers. Dass das richtig bewertet wird, dafür sorgen die zahlreichen Schiedsrichter, die an jeder Messstelle aufmerksam bewerten. Nach Verlassen des Parcours landet der Pilot/die Pilotin seinen/ihren Helikopter auf einer markierten Linie. Dabei müssen eine Kufenmarkierung und ein nur 5 cm breiter Balken auf dem Boden deckungsgleich sein.

Hervorragend meisterten diese extrem schwierige Aufgabe die beiden Juniorenteams. Sie schafften jeweils eine Null-Ablage, also eine Landung ohne jegliche Abweichung.
Die Deutschen Hubschraubermeister 2019 heißen Andreas Rübner und Holger Wolff. Damit verteidigten sie ihren Titel aus 2017 und durften ihren Wanderpokal, ein Huey-Heckrotorblatt, das sie von daheim mitgebracht hatten, wieder nach Hause fliegen. Vizemeister wurden Martin Eigner/Michael Schauff vor Ruedi Boser/Stefan Meier. Die einzige Pilotin im Wettbewerb, Lena Meier, kam gemeinsam mit ihrem Co Gabriel Rieser auf den 10. Rang. Rudolf/Rudolf belegte Rang 8, und in der Juniorenwertung Rang 1 vor Maier/Rieser.
Die Präzisionslandung nach dem Slalom sowie die Doghouse-Übung nach dem Fender wurden übrigens neu ins Programm genommen und stellen eine Modifizierung des FAI-Regelwerks dar. Bei Offenen Deutschen Hubschraubermeisterschaften soll wieder der Spaß am Wettbewerb im Vordergrund stehen. Präzision gepaart mit Geschwindigkeit ist zwar immer noch wichtig, aber Flugsicherheit und Schonung von Mensch und Material stehen hierbei im Fokus.

Hier die Rangfolge (mit Gesamtpunkten und den Pokal-Sponsoren):

1 Andreas Rübner/Holger Wolff (R44, D, 873,8 Punkte), Pokal: Präsident des DaeC
2 Martin Eigner/Michael Schauff (R44, D, 843,3 P.), Pokal: Motorflugkommission des DaeC
3 Ruedi Boser/Stefan Meier (R44, CH, 823 P.), Pokal: Deutscher-Bundeswehr-Verband
4 Sebastian Fuhr/Helmut Brand (R44, D, 777,6 P.), Pokal: Luftsportverband Bayern
5 Adrian Larsen/Jens Larsen (R22, CH, 729,9 P.), Pokal: Jeppesen
6 Hartmut Hopf/Mario Fuß (R44, D, 721,5 P.), Pokal: ADAC-Technik
7 Eduard Malina/Monika Fidrova (R44 CZ, 689,9 P.), Pokal: Liquid Moly
8 Frank Rudolf/Maurice Rudolf (S 300, D, 582,2 P.); Pokal: Autohaus Rinnetal, Rudolstadt
9 Fritz Renner/Friedrich Renner (S 300, D, 575,3 P.), Pokal: RUAG
10 Lena Maier/Gabriel Rieser (R22, D, 565,2 P.), Pokal: Landkreis Landsberg-Lech
11 Werner Büchi/Werner Glatthardt (R44,CH, 487,8 P.), Pokal: Traditionsgemeinschaft Luftwaffe
12 Norbert Zehnder/Constantin Chryssanthis (R44, CH, 455,6 P.), Pokal: Bürgermeister Penzing