Weißrussland: Helicopter World Cup & Weißrussische Meisterschaft 2017

Helicopter World Cup, Station 4 und 19. offene Weißrussische Hubschraubermeisterschaft in Borovaya/Minsk/Weißrussland 

 

Die Offen Weißrussische Hubschrauber Meisterschaft (OBHC) und Helicopter World Cup (HWC), Stage 4 fanden zwischen dem 25. und 30. Juni auf dem Flugplatz Borovaya in Minsk/Weißrussland statt. 25 Teams und ca. 35 Schiedsrichter aus Russland, Weißrussland, Polen Ukraine und Deutschland nahmen teil. Das Motto der Veranstaltung lautete PRONEBO, was so viel wie „alles, was sich am Himmel bewegt“ übersetzt werden kann. Die Idee des Songs „Über den Wolken“ treffe es nicht ganz, so eine Deutsch-Weißrussische Schiedsrichterin. Aus Deutschland nahmen ein Team und drei FAI-Schiedsrichter teil. Leitender Schiedsrichter für den Helicopter World Cup war unser Lothar Oehler vom Deutschen Hubschrauber Club e.V. Irina Grushina aus Russland kümmerte sich um die Auswertung.

Die Veranstaltung war einerseits straff durch Olga Shevelva, die weißrussische Vertreterin des Hubschraubersports, organisiert, andererseits gab es Raum für Verschiebungen; wegen zu starken Winds musste der HWC-Slalom auf den nächsten Tag verschoben werden, was problemlos ging. 
Bei der Weißrussischen Meisterschaft lag erst das 14. Team unter 1150 von 1200 möglichen Punkten. Unser Deutsches Team ist in der Qualifikation für die Endrunde des Helicopter World Cups ausgeschieden. Die Leistungen auf den ersten acht Plätzen lagen derart eng beieinander, dass man sich nur mit viel Übung qualifizieren konnte. Gewonnen haben ausschließlich junge Teams auf Mi 2 Hubschraubern.  
Alle Teilnehmer wohnten in einem Hotel, direkt neben dem Sitz des weißrussischen olympischen Komitees. In die Stadt konnte man mit einer 15minütigen Busfahrt gelangen. Morgens und abends shuttelten je zwei Busse. Samstagabend zeichnete man in einer zweistündigen Zeremonie die Sportler der weißrussischen Meisterschaft aus. Sonntagnachmittag erfolgte die öffentliche Auszeichnung der Sieger des Helicopter World Cup auf einer Bühne vor Zuschauern. 

Zum Wochenende, parallel zum World Cup, war großes Zuschauerinteresse. Es gab eine Art Volksfest mit Airshows und Fallschirmspringern, kleine Fahrgeschäfte, Verkaufsstände für Lebensmittel und Erinnerungsstücke.
Die gesamte Veranstaltung war ein „Probeevent“ für die geplante Hubschrauberweltmeisterschaft im nächsten Jahr auf dem Flugplatz Borovaya. Dazu stand ein etwa 200 qm großes Zelt als Aufenthaltsort zur Verfügung. Zwei Bereiche für die Auswertung und die Organisation waren abgeteilt und ausreichend. Daneben gab es ein Zelt für die Mahlzeiten, die durch einen Caterer gestellt wurde. Tribünen und VIP-Zelt ergänzten das Ambiente. 

Neben den klassischen 4 Events des WHC Navigation, Precision, Fender und Slalom, wurde der HWC mit zwei Events, Slalom und Fender in parallelform geflogen.

25 Teams starten zur Navigation am 26. August um 10:30 Uhr. Alles verläuft glatt. Die navigatorische Auswertung geschieht sowohl über Logger als über 6 Schiedsrichter, die rausgeflogen wurden. Die Logger sind so programmiert, dass der Entry/Exit der Suchzone und die Turningpoints innerhalb von 500 Metern „getroffen“ werden müssen, um gewertet zu werden. Natürlich muss das jeweilige Team auch die ausgelegten Zeichen richtig identifizieren und aufschreiben. In einem Fall haben die Schiedsrichter den Hubschrauber weder gehört noch gesehen; der Logger hat aber „getroffen“ verbucht. Es stellte sich später heraus, dass der Hubi nah genug, aber parallel zum Entry flog und dann etwas weiter weg in die Suchbox eingeflogen war. Weiter musste berücksichtigt werden, dass die Logger die wahre Höhe über ihrer GPS-Position loggen und nicht die angezeigte Höhe im Luftfahrzeug. Complains gegen die Bewertung der Wettkämpfe gab es nicht. 

Die Teilnehmer nutzen die örtliche Nähe zur Innenstadt von Minsk, um abends essen oder bummeln zu gehen. Da Minsk im zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört war, erscheint die Stadt sehr neu. Gebäude wurde zum Teil rekonstruiert. Ein historisch verbriefter Handelsplatz neben Klöstern und einer Synagoge in der „Altstadt“ ist ebenfalls zum Teil rekonstruiert wieder errichtet worden. Er liegt an dem Fluss Swislatsch, der im Bereich der Innenstadt aufgestaut ist. Auf dem See konnte man Bootfahren oder sein Abendessen im Freien in den Restaurants am Ufer genießen. Ein kleines Nebenflüsschen der Swislatsch, die vermutlich für die Stadt Minsk namensgebende Menka wurde beizeiten unter die Erde verlegt, um Hochwasser zu vermeiden. Minsk beherbergt 1,9 Mio. Einwohner der 10 Mio. Weißrussen. Alle sind außerordentlich gastfreundlich, die jüngeren können durchweg englisch und einige sogar ein bisschen Deutsch. Vom und zum Flugplatz Minsk wurden wir durch hilfsbereite Personen abgeholt. War eine Gruppe größer, fuhr der Shuttlebus. Merkte man bei der Einreise, dass wir zur „Hubschrauberveranstaltung“ wollten, änderte sich die Haltung sofort in offene Freundlichkeit. Die Veranstalter hätten sich gewünscht, dass EU-Teams mit dem Hubschrauber gekommen wären. Es war mit den offiziellen Behörden vereinbart, dass keine erhöhten Kosten für Landungen und Überflüge erhoben werden sollten. Man schlug uns vor zur Weltmeisterschaft über Polen in Formation nach Minsk bzw. Borovaya zu fliegen. Der polnische Teilnehmer Marcin Szamborsky kann genügend russisch, um den Funk in Weißrussland zu übernehmen. So könnte man sich einen weißrussischen Lotsen sparen.
Die Veranstaltung wurde auch von Modell, bzw. Drohnenfliegern für einen Wettkampf genutzt. Das Militär beteiligte sich an der Airshow und mit static Display einer modernen Mi 8 und eines Mi 24 Hubschrauber. Der Weißrussische Aeroclub und die DOOSAF stellten erhebliche Hilfe zur Verfügung. Die Mi 2 Hubschrauber sind alle von der DOOSAF. 
Gerne hätten wir größere Beteiligung durch deutsche Teams gewünscht. Dieses Jahr gibt es durch den neuen Helicopter World Cup, den Offenen Landesmeisterschaften und dem Trainingslager neun Veranstaltungen. Das lässt sich weder wirtschaftlich noch zeitlich kaum bewältigen. In der Vergangenheit gab es jährlich zwei, manchmal drei Events. Die Teams, die „immer kommen“ nehmen auch dieses Jahr an zwei oder drei Events teil. Immerhin konnten wir vom Deutschen Hubschrauber Club FAI-Schiedsrichter aktivieren und stellen den Chiefjudge für alle Veranstaltungen des Helicopter World Cup 2017.

Der nächste Veranstaltungsort für den 5. Event des Helicopter World Cups und Offene Deutsche Hubschraubermeisterschaft ist Arnstadt in Deutschland vom 25. – 27. August bevor es weitergeht nach Spitzerberg/Österreich (8. – 10.September) und den Abschluss des HWC in Jastarnia/Polen (22. – 24. September).Axel